Katja Boehme, Professorin für Katholische Theologie/Religionspädagogik an der PH Heidelberg, geht der Frage nach, was genau der Religionsunterricht zur Demokratiebildung beitragen kann. Boehme geht dabei von demokratiefördernden Kompetenzen aus - wie sie von der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK), der Kultusministerkonferenz (KMK) sowie der Expertenkommission des Europarats erarbeitet worden sind. Letztere fasst die Kompetenzen in die vier Bereiche „Wissen und kritisches Verstehen, Fähigkeiten und Fertigkeiten, Werte sowie Haltungen“ zusammen. Neben kognitiven kommen daher auch affektiv-volitionalen Kompetenzen zur Demokratie wie z. B. „Wertschätzung von Demokratie, Gerechtigkeit, Fairness, Gleichberechtigung und Rechtsstaatlichkeit „(Werte)“ sowie „Respekt, Gemeinwohlorientierung, Verantwortung“ (Haltungen) eine besondere
Bedeutung zu.
Vor einer unkritischen Parallelisierung mit religiösen Kompetenzen fragt Boehme jedoch an, ob Werte und Haltungen in der Schule überhaupt als Ziel überprüfbar sind. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass diese zwar angebahnt, jedoch nicht in die Kategorien von Effizienz und Leistungsbewertung gefasst werden können. Vielmehr ist im Anschluss an Bourdieu die Arbeit am eigenen Habitus entscheidend, was im schulischen Kontext durchaus möglich ist. Wie können nun auf dieser Grundlage demokratische Werte und Haltungen grundgelegt werden, besonders im Religionsunterricht? Nach Boehme ist dies auf mehreren Ebenen möglich: Gerade der Religionsunterricht kann durch seine transparente Positionalität und Verwurzelung im christlichen Menschenbild in dialektischer Weise dazu beitragen, plurale Weltzugänge zu zeigen und die eigene Position zu reflektieren. Durch seine Standortgebundenheit vom christlichen Menschenbild ausgehend und der Verwiesenheit des Menschen auf Transzendenz und damit der Wahrheitsfrage kann der Religionsunterricht diese und im Kontrast dazu andere Weltsichten aufzeigen und differenzieren. Auch in gesellschaftskritischer Hinsicht ist dies möglich. Eine weitere Ebene ist das interreligiöse Begegnungslernen, das im Religionsunterricht angebahnt und praktiziert werden kann; in der Begegnung mit Menschen anderer Religionen oder anderer Weltanschauungen kann die gegenseitige Aufklärung, der Respekt voreinander und die Anerkennung der anderen habituell eingeübt und gefördert werden. Boehme kommt daher zu dem Ergebnis, dass gerade der Religionsunterricht in seiner Eigenstruktur zur demokratischen Werte- und Haltungsbildung beitragen kann.
Katja Boehme hat ihren Beitrag zuerst auf dem „20. Religionspädagogisches Arbeitsforum 2025 in Würzburg (12.03.-14.03.2025)“ präsentiert und dann in der Zeitschrift Österreichisches Religionspädagogisches Forum publiziert.
Eine Linkliste zu den Quellen können Sie hier herunterladen.
Stefan Heil
































































